Eine Sozialstation in Damaskus - Mit wenig kann man viel bewirken*

Wie Gemeinde St. Kyrillbereits in früheren Ausgaben der Perspektiven berichtet, unterstützt das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. mit einem Entwicklungsprojekt den Aufbau einer Sozialstation in Damaskus. Im Gespräch mit den Perspektiven erläuterte der Projektleiter Prof. Dr. Heribert W. Gärtner den Hintergrund des Projektes und die Situation vor Ort.

Wenn man die Anlässe zu Projekten untersucht, gibt es vielfach ein ganzes Bündel von Motiven, so auch hier. Auslöser waren eine Einladung nach Syrien und zwei Heilige: Kosmas und Damian. Prof. Gärtner hat sich schon länger mit der Geschichte der Gemeindehaus St. Kyrillbeiden Patrone des Fachbereichs Gesundheitswesen der Katholischen Fachhochschule NW befasst. Die beiden nordsyrischen Heiler wirkten an der Schwelle vom dritten zum vierten Jahrhundert. Das Besondere an Ihnen ist: Sie übten die Heilkunde aus und sie taten dies umsonst. Damit bewegen sie sich auf der Spur des Heilhandelns Jesu und verweisen auf die therapeutische Verwurzelung des Christentums.

Eingeladen haben ihn Patres des Basilianer-Ordens, die in der Altstadt von Damaskus ein Kloster haben und dort eine Kommunitaet DamskusGemeinde betreuen. Von dort aus fuhr im Herbst 2006 die kleine Reisegruppe durch ganz Syrien, um die Begräbnisstätte von Kosmas und Damian zu besuchen und die Landschaft zu sehen, wo beide vor hunderten von Jahren wirkten. Die Reise durch die Wüste und milde Olivenbaumhaine wirkte nach. Die konkrete Situation kranker und pflegbedürftiger Menschen, die nicht durch Versicherungen abgesichert sind, tat das ihre. So entstand bei einem Frühstück die Idee in der Pfarrei der Patres in der Altstadt von Damaskus eine Sozialstation zu gründen. Mit überschaubaren Mitteln lässt sich viel bewirken. Das Gehalt einer Krankenschwester ist z.B. vergleichsweise günstig, kostet sie doch 200 Dollar im Monat.

Im März 2007 besuchten Heribert Gärtner und Peter Rötzel Damaskus und den Pater Dr. Youssef Lajin und Pater George Aboudsyrischen Projektleiter Dr. Josef Laijn, um den Fortgang der Idee zum Projekt zu begleiten. Die beiden Deutschen lernten eine scheinbare Trivialität: Bedarfe und Hilfesysteme Seine Seligkeit Gregor III und Prof. Dr. Gärtnersind kultur- und gesellschaftsabhängig. Es braucht weniger die Krankenschwester, die kontinuierlich in den Wohnungen und Häusern Pflege leistet. Vielmehr braucht es in einem Fall die Krankenschwester, im anderen den Krankengymnasten, im dritten die Nachsorge nach einer OP. Das Projekt hat den Charakter eines echten interkulturellen Austauschs; beide Projektpartner lernen voneinander. Die Koordination der individuellen Hilfemaßnahmen erfolgt durch eine Gruppe von St. Kyrillfünf Personen unter der Leitung von Dr. Pater Lajin. Was in Damaskus unter dem Label „Sozialstation“ praktiziert wird, hat viel von der Tätigkeit der Gemeindeschwester, die wir aus den 70-er Jahren noch kennen. Bei der Reise im März besuchte die deutsche Gruppe zusammen mit den Patres auch den Patriarchen von Damaskus, Gregor III, und berichteten über das Projekt.

Für die orientalischen Kirchen ist das diakonische Engagement weniger in der Tradition verankert, als St. Kyrilldies bei den Westkirchen der Fall ist. Die Idee der Sozialstation reiht sich ein in die Bemühungen, auf der Spur von Kosmas und Damian diese Art des „heilenden Kirche-Seins“ zu realisieren. Bisher wurden ca. 20 000 Euro gespendet, die für die Projektentwicklung und vor allem für die Hilfe im Einzelfall verwendet werden. Die Projektidee geht ihren orientalischen Gang, welchen auch sonst; und die Mittel kommen an bei den Menschen, die Hilfe brauchen.
Treffen mit seiner Seligkeit Patriach Gregor III.
Aber auch im eigenen Umfeld – so nimmt es Prof. Gärtner wahr – ist die Bezugnahme auf das selbstlose Wirken zweier Heiliger wie Kosmas und Damian eine Provokation. In einer Zeit, in der die refinanzierte Versorgung weitgehend das Paradigma des Gesundheits- und Sozialwesens darstellt, wirkt das Betonen kostenfreier Hilfe anachronistisch und herausfordernd zugleich. Die Reichweite des Evangeliums kann jedoch nicht nur die Reichweite unserer Refinanzierungssysteme sein. Kosmas und Damian provozieren zu einer „Kreativität des Umsonst“.

* Erschienen in "Perspektiven 1/2008", S. 6 www.dip.de
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